Dritter Spieltag, zweite Heimpartie. In Vorbereitung auf das Heimspiel gegen den FC Eilenburg am Samstag in der WGF-Arena, hat sich Andreas Hannewald mit Neu-Kapitän Colin von Brezinski getroffen. Wie Colin die Wahl des Trainerteams zum Spielführer aufgenommen hat, welche sportlichen ziele er sich gesetzt hat und für wie wahrscheinlich er es hält, mit seiner Truppe in dieser Saison ähnlich weit oben angreifen zu können wie in der Vorsaison gibt's nun im Exklusivinterview.
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Hanne: Das Trainerteam hat dich zum neuen Kapitän bestimmt. Hattest du damit gerechnet?
Nein, auf keinen Fall. Zum einen hatte Matti sich erst kurz zuvor dazu entschieden, sein Amt nicht weiterzuführen. Zum anderen habe ich in den vergangenen Jahren, abgesehen von meiner Leistung auf dem Platz, auch nicht aktiv danach gestrebt, mehr Verantwortung zu übernehmen. Da ich mittlerweile aber zu den ältesten Spielern gehöre und auch zu allen in der Mannschaft einen guten Draht habe, konnte ich die Anfrage des Trainerteams nachvollziehen und habe mich schließlich dazu entschieden, das Amt anzunehmen.
Hanne: Als einer der erfahrenen Spieler im Team hattest du auch schon vorher ein sehr gutes Standing in der Kabine. Was denkst du wird sich durch dein neues Amt im Umgang mit den Jungs vielleicht noch ändern?
Ich glaube, abgesehen davon, dass ich mir den einen oder anderen Spruch mehr anhören muss und ab und zu augenzwinkernd mit „Kapitän“ angesprochen werde, hat sich vonseiten der Mannschaft mir gegenüber wenig geändert. Ich selbst bin weiterhin ziemlich locker im Umgang mit den Jungs. Auch wenn ich jetzt etwas mehr Verantwortung trage, ist es wichtig, authentisch zu bleiben. Ansonsten darf ich jetzt unmittelbar vor dem Anpfiff noch einmal ein paar Worte an meine Mitspieler richten. Außerdem spreche ich während des Spiels ein bisschen mehr als zuvor. Aber wer mich kennt, der weiß, ich bin kein Lautsprecher. Dementsprechend sind alle in der Mannschaft dazu angehalten, für die nötige Stimmung auf dem Platz zu sorgen, die uns zum Erfolg verhilft.
Hanne: Der Sportclub spielt nun schon seine fünfte Oberliga-Saison und du bist von Anfang an dabei. Insgesamt gab es eine sehr positive Entwicklung mit Steigerungen in jeder Saison. Hättest du das so erwartet als du damals neu zum Team gekommen bist?
Vor meinem Wechsel im Jahr 2022 wurde mir vonseiten des Vereins gesagt, dass die Abteilung mittel- bis langfristig mal die Regionalliga ins Visier nehmen möchte, wenn die Rahmenbedingungen passen und es die stetige sportliche Entwicklung hergibt. Und diese Entwicklung sehen wir. Wir mussten auch in den ersten Jahren nie ernsthaft gegen den Abstieg spielen. Durch punktuelle Veränderungen in jeder Saison haben wir es geschafft, uns zu einer Mannschaft zu verbessern, die mittlerweile den berechtigten Anspruch hat, die Saison im oberen Tabellendrittel abzuschließen.
Hanne: Im letzten Jahr habt ihr lange Zeit sogar am Regionalligaaufstieg geschnuppert. Bist du am Ende enttäuscht gewesen, oder doch stolz auf die sehr guten 59 Punkte die ihr am Ende erreicht habt?
Ja, ein Stück weit ist der verpasste Aufstieg mit Enttäuschung verbunden. Wir hatten eine schwache Phase in der Rückrunde, durch die wir den Anschluss an Stahnsdorf verloren haben. Das war sehr ärgerlich. Letztlich haben wir aber auch die beiden direkten Duelle gegen Stahnsdorf verloren, sodass sich am Ende die beste Mannschaft durchgesetzt hat. Dass wir dennoch 59 Punkte erreichen und Vizemeister werden würden, hatten wir als Mannschaft vor der Saison nicht erwartet. Deswegen überwiegen die positiven Aspekte aus der vergangenen Saison, und diese gilt es nun in die neue Saison mitzunehmen.
Hanne: Nun wartet der Regionalliga-Absteiger aus Eilenburg. Was denkst du ist möglich gegen die Truppe von Ex-Dynamo Oswald?
Ich erwarte ein umkämpftes Spiel, in dem alle drei Ausgänge möglich sind. Uns wird daran gelegen sein, im Spiel mit dem Ball an unsere Leistung gegen Frankfurt anzuknüpfen und gleichzeitig unsere Wachsamkeit in der Defensive gegenüber den ersten Spielen noch einmal um ein paar Prozent hochzuschrauben.
Hanne: Nicht nur die Eilenburger sind ja neu in der Liga, denn mit den Meuselwitzern gibt es gleich noch einen gestandenen Regionalligisten der letzten Jahre. Und auch die Aufsteiger Dynamo II und Weißenfels sind sicherlich nicht zu verachten. Wie schätzt du das Niveau der Liga insgesamt ein?
Colin: Das Niveau der Liga ist im Vergleich zum Vorjahr noch einmal gestiegen. Gefühlt spielen mehr Mannschaften um die oberen Tabellenplätze als gegen den Abstieg. Deswegen gilt es, über die gesamte Saison hinweg wachsam zu sein, egal, wie der Gegner heißt. Es wird ein Hauen und Stechen um die Platzierungen geben, und dabei wird jeder Punkt wichtig sein.
Hanne: Bisher war das Saisonziel immer, die Punkteausbeute aus dem Vorjahr zu verbessern. Denkst du das ist wieder machbar?
Colin: Als Team haben wir uns, gerade auch im Hinblick auf die hohe Leistungsdichte in der Ligaspitze, für diese Saison zunächst darauf verständigt, dass wir am Saisonende unter den Top 5 landen wollen. Dafür sollten 59 Punkte wie im Vorjahr reichen. Aber eben wegen dieser Leistungsdichte wird es extrem schwer, diese Punkteausbeute zu bestätigen oder sogar zu übertreffen. Damit uns das gelingen kann, müssen wir defensiv wieder so stabil stehen wie über weite Teile der vergangenen Saison. Zudem müssen wir unsere Möglichkeiten noch etwas besser nutzen und ein paar Tore mehr erzielen. Dann ist es auch in dieser Saison möglich, unsere Punkteausbeute noch einmal zu steigern.
Hanne: Und wie sieht es mit deiner persönlichen Torausbeute aus, die zuletzt zwei Tore lassen sich doch bestimmt noch steigern, oder?
Colin: Die Torausbeute ist auf jeden Fall schon länger ein Thema für mich, die Mannschaft und das Trainerteam. Ich habe daran gearbeitet, bewusst noch häufiger im Strafraum aufzutauchen. Dadurch steigt natürlich die Wahrscheinlichkeit, Tore zu schießen. Außerdem suche ich jetzt etwas häufiger selbst den Abschluss, anstatt den Ball abzuspielen. Deswegen hoffe ich, dass ich meine Trefferzahl in dieser Saison steigern kann. Ich versuche, den Schwung aus dem Saisonendspurt mitzunehmen. Bisher ist mir das auch sehr gut gelungen. Ob ich diese Quote halten kann, darf allerdings gerne zumindest angezweifelt werden (lacht). Mit dem Trainerteam habe ich mich auf ein Scorer-Ziel verständigt. Zu meinem Glück zählen dabei auch die Vorlagen. Mehr als zwei Tore dürfen es trotzdem gerne werden.


